Warum Geschichten schreiben …

Verbotener verwunschener Garten

Gerade gestern hatte ich ein anregendes, leider zu kurzes Gespräch mit einer Arbeitskollegin, die selbst Schriftstellerin ist. Sie freute sich über einen neuen Vertrag mit einem weiteren Verleger. In der vergangenen Woche hatte sie ein Treffen mit ihm und ihr stehen zwei arbeitssame Jahre bevor, in denen sie sich einem neuen Buch widmen soll. Ich bin schon gespannt darauf. Sie schreibt historische Roman und setzt sich für fantastische Rollenspiele mit historischen Kostümen ein – ich finde das wunderbar. Sie sagte, dass hier in Frankreich in erster Linie das Talent und das Gefühl beim Schreiben eines Textes zähle und man weniger akademischer wie in anglosächsischen Ländern beim Verfassen von Romanen vorginge. Oh wie ich damit einverstanden bin! Ich bin nur froh, dass es heute die Möglichkeit gibt, sein Geschriebenes wenigstens mit ein paar Lesern in der weiten Welt Dank Internet teilen zu können und nicht nur für eine Schublade zu schreiben. Ich erinnere mich noch an die Zeit, in der ich in meinem Jugendzimmer saß und meine Geschichten nur für mich schrieb und zeichnete. Ich wagte es kaum, sie jemand zu zeigen, denn ich galt auch ohne schon für verrückt genug. Doch im Grunde war es nicht weiter schlimm, denn ich wollte einfach nur das Buch schreiben, welches ich selbst am liebsten lesen würde.

Ein weiterer Punkt wurde in unserem Gespräch angesprochen – schreiben, um der Langenweile der Realität zu entkommen. Nicht zu entfliehen, es dreht sich hier nicht um eine feige Flucht, die aus uns ängstliche und unverantwortliche Geschöpfe werden lässt. Eher im Gegenteil – zu viel Mut würde von den meisten falsch verstanden. Es ist ähnlich wie mit dem Dauerlaufen. Viele Menschen, die keinen Sport treiben, oder nur aus Pflichtgefühl, weil überall gesagt wird, wie gut das für die Gesundheit sein soll, können nicht verstehen, warum andere immer so gerne freiwillig dauerlaufen, kilometerlang durch die Landschaft rennen und sich dabei gut fühlen. Sagen wir es so, wir laufen nicht, um länger oder besser zu leben, sondern intensiver. Mit dem Schreiben ist es ähnlich. Niemand setzt sich über Monate, Jahre freiwillig irgendwo hin und denkt sich irgendwelche Geschichten aus, wenn ihm es selbst nichts bringen würde. Persönlich akzeptiere ich keine leeren Ratschläge von anderen, die meinen, sie wissen, was ich schreiben sollte, um Erfolg zu haben. Ehrlich gesagt ist mir der Erfolg gleichgültig, Hauptsache meine Helden leben irgendwo in meinen Geschichten. In meinen Geschichten können die Protagonisten sich wenigstens ihren Feinden stellen, was natürlich alles andere als einfach oder ungefährlich ist. Aber das ist doch eine unglaubliche Freiheit – und die ist kaum einem in der Wirklichkeit gegeben. In der Realität hoffen wir, dass alles gut gehen mag und sind gesteuert von Verpflichtungen und Steuern, um überhaupt existieren zu dürfen. Jede menschliche Beziehung ist an einen Vertrag gebunden, eine soziale Stellung, die man pflegen muss, sonst stürzt das System zusammen. Also träume und schreibe ich weiter an Geschichten von Menschen, die ihren Gegenübern in die Augen sehen müssen, um eine Möglichkeit zu haben, etwas von ihnen zu verstehen.

Dann kam noch ein anderes Thema zum Gespräch, welches mir sofort einleuchtete – schreiben ist erotisch. Mit den Worten hautnah mit seinen Protagonisten verbunden zu sein, kann ich mir anders nicht erklären. Wie die Natur auf jeden wirkt und was jeder empfindet ist folgenderweise sehr intim. Viel intimer als das Zusammenleben mit unseren sogenannten Mitmenschen, die in den meisten Fällen durch Verträge aneinandergebunden sind und es sich anders gar nicht mehr vorstellen können. (Allein die Tatsache, jemanden zu bezahlen, um Lösungen für seine persönlichen Probleme zu finden, wie es bei Psychologen der Fall ist, finde ich absurd. Noch perverser ist es, dieses Gebiet studieren zu wollen, um reich zu werden, weil zum Beispiel die Vorfahren über eine lukrative Sprechstundenpraxis verfügen, ist doch eigentlich krank. Sich in jemand zu verlieben, weil er teure Geschenke bezahlen kann, oder sich zu jemand setzten und beichten, weil eine alte Institution das so verlangt … ich meine Beispiele für unmenschliches Zusammenleben gibt es unzählige, da brauch man weder ein Spezialist zu sein, noch lange suchen. Und dennoch ist es für uns in Wirklichkeit normal.) Ich mag es eben, ab und zu etwas Unnormales zu erleben und Menschen und Tiere und die Natur und das Universum so zu betrachten, wie sie vielleicht wirklich sind. Jedenfalls versuche ich es, denn ich weiß nie, wie ich das genau in Worte fassen soll, weil ich es eben nicht anders gewöhnt bin.

Die Chroniken von Ravan

Wie gemein wir doch sind …

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Ich hatte gerade Lust, ein paar Zeilen über die Entstehung eines neuen Protagonisten in den Chroniken von Ravan zu schreiben. Mit ist nämlich dabei aufgefallen, wie gemein wir doch im Grunde sind. Ich lasse mir da einen jungen Ritter einfallen, dem eine Mission von größter Wichtigkeit anvertraut wird. Er wird auf seinen jungen Schultern im Laufe der Geschichte eine mächtige Verantwortung tragen. Jedenfalls habe ich mir gedacht, dass es Gründe für sein melancholisches Verhalten in den späteren Jahren geben muss.

Um den guten Mann so richtig aufleben zu lassen, habe ich mir seine Geschichte wie folgt ausgedacht: man nehme einen großgewachsenen Erstgeborenen aus einer wohlhabenden Familie, der Stolz seines Vaters, mutig und mit einem reinen Herzen überlebt er den entsetzlichen Krieg und steht hoch in der Achtung seines Königs. Zu allem Überfluss ist dieses Abbild von männlicher Perfektion mit einer jungen tugendhaften Frau verlobt, die schön wie ein Frühlingsmorgen ist und nie einen falschen Gedanken hegt. Nur ein einziges Mal sind die beiden gegenseitig ihren unwiderstehlichen Scharm verfallen und haben das Verbot der körperlichen Liebe vor ihrer Heirat übertreten.

Nun ist der Krieg vorüber und der gute Held könnte seine Geliebte heiraten, wenn das Schicksal und vor allem der Willen seines Königs es nicht anders für ihn entscheide …

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Der begnadete Künstler diese Bildes findet ihr unter dem Link im Bild direkt auf seine Künstlerseite !

Herz, Schmerz und im Grunde eine gesunde Portion von Schadenfreude gegenüber solch perfekten Wesen, denen das Leben regelrecht zulacht und denen alle Türen offenstehen, lassen uns liebend gerne mit solchen Helden mitleiden und lieben.

Wer sich schon mal ins Lesevergnügen stürzen möchte, ist herzlich willkommen!

Neumond

 

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Heute habe ich endlich die nötige Zeit gefunden, das vierte Kapitel zu Ende zu schreiben. Die vergangenen Monate waren für mich sehr aufreibend, weil ich einen neuen Posten an meiner Arbeit angenommen habe. Doch ich schaffe es trotz allem, an den Chroniken weiterzuschreiben. Spannend ist es immer, wenn ein Abschnitt der Geschichte einen unerwarteten Verlauf annimmt, oder ein Protagonist einen Charakterzug entwickelt, an den man vorher nicht unbedingt gedacht hat.

Kurz vor dem letzten Neumond habe ich den Teil des vierten Kapitels geschrieben, in dem Cethis sich ihrem ersten ernsthaften Feind stellen muss.

Der Mond übt zweifelsohne eine bedeutende Kraft auf uns aus. Es erschien mir so, als sei es sehr wichtig, diesen Teil vor dem Neumond zu schreiben, damit ich mich anschließend einem neuen Abschnitt zuwenden kann. Dass es dabei so blutig abläuft, konnte ich beim besten Willen nicht voraussehen. Nun will ich der Geschichte natürlich nicht zu viel vorwegnehmen. Aber ich denke, dass es wichtig ist, unsere wahre Natur besonders in unbestimmten Zeiten einfach zu erkennen. Die Geschichte in Europa hat uns gezeigt, was für Kriege und Fehden wir haben durchstehen müssen, um das zu werden, was wir heute sind. Ich versuche das so zu sehen, wie es nun mal ist, ohne zu bewerten. Vielleicht ist das eine Möglichkeit, eigene Freiheit zu finden.

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Spontan hatte ich Lust, diese Gedanken mit der Mondkarte aus dem Rider Waite Tarot Deck auf meinem Instagram zu illustrieren. Dieses Tarot begeistert mich bereits seit Jahren. Die Künstlerin Pamela Colman Smith hat es geschafft, Karten zu illustrieren, die einem regelrecht ansprechen, wenn man sich mit seinen privaten Fragen auseinandersetzt.

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Nun befinden wir uns tatsächlich in einem neuen Jahr, einem neuen Abschnitt und ich bin davon überzeugt, dass alles Vergangene dazu bestimmt war, uns auf das neue vorzubereiten, was jetzt kommen wird.

Zum Lesen auf BookRix oder Wattpad !

 

Willkomen 2017

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Nun ist es wieder soweit, ein neues Jahr hat angefangen und ich möchte meine wohlverdienten freien Tage dazu nutzen, endlich meine Projekte wiederaufzunehmen. Trotz dem überstandenen Dezembermarathon habe ich es geschafft, die ersten Kapitel der Ravanchroniken durchzulesen und ich bin schon ganz Feuer und Flamme, daran weiterzuschreiben und auch wieder etwas zu zeichnen.

Doch vorläufig gehen Familie und Freunde vor. Ich hoffe, ihr habt auch eine angenehme Feierzeit gehabt und könnt euch allmählich auf den restlichen Winter gefasst machen.

Ich bin dieses Jahr sehr zufrieden, denn ich fühle mich sehr mit der Natur verbunden, was sehr angenehm ist. Man empfindet die grauen, dunklen Tage nicht mehr als deprimierend, sondern einfach als ein Naturereignis. Besonders schön ist es zu beobachten, wenn sich eine Bande von Raben versammelt und von einem Ort zum anderen fliegt. Ich bin mir sicher, dass die Vögel uns mehr beobachten, als wir es wahrhaben wollen. Vergangenen Samstag zum Beispiel wartete ich auf meinen Bus, um zur Arbeit zu fahren, bis ein Rotkehlchen verärgert im Baum über meinem Kopf zeterte. Ich fand das kleine Kerlchen amüsant und fragte mich, was es mir wohl mitteilen wolle. Bis mir endlich einfiel, dass am Samstag zu dieser Uhrzeit keine Busse fahren. Ich bin mir sicher, der kleine Vogel fühlte sich in seinem Wochenablauf gestört und wollte mir verstehengeben, dass ich nicht am richtigen Ort sei.

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Jedenfalls haben wir unsere Feiertage gemütlich im kleinen Familienkreis verbracht und beim Festessen ein angenehmes Feuer im Kamin brennen lassen.

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Liebe Grüße und auf ein baldiges Wiederlesen. Ich lade mal die lesbaren Kapitel der Chroniken wieder hoch, denn ein paar Schreibfehler finde ich immer wieder. Das wird auch noch eine Weile so sein, irgendetwas gibt es immer zu verbessern.

Vielleicht schreibe ich Euch das nächste Mal aus Deutschland, wer weiß. Lasst es euch gut gehen, und ich wünsche euch, dass das neue Jahr Gesundheit, Frieden und Kraft in eure Herzen bringen wird!

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Trügerischer Herbstwald

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Es könnte sein, dass mein abenteuerlicher Dauerlauf heute im Wald zum vorherrschenden Chaos in meinem neuen dritten Kapitel beigetragen hat. Wenn ich mich stundenlang im Wald aufhalte und mir in den Kopf setze, mich durch ausdauerndes Laufen zu stärken, ist mir in den Jahren bewusst geworden, wie gefährlich der Wald sein kann. Eine winzige Wurzel, ein kleines von toten Blättern verstecktes Loch oder ein einfacher Stein können einen zum Fall bringen, den Fuß verletzten oder den Knöchel verstauchen.

So gesehen mag ich es mir gar nicht ausmalen, wie es in Wirklichkeit ist, wenn man im Dunkeln durch die Wildnis irrt …

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Louise Bourgeois « The welcoming hands »

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Diese schönen Fotos von den Händen von der Künstlerin Louise Bourgeois kommen mir gerade richtig. Ich hatte sie während einem Spaziergang in einer Mittagspause im Jardin des Tuileries fotografiert. An einem sehr heißen Tag im September, ein Tag, in dem der Sommer noch nicht lange nicht gehen will und trotzig seine Regeln aufrechterhält.

Heute hingegen ist ein feuchter Novembermorgen, ich arrangiere mich wie nur irgend möglich im Zug auf den Weg nach Panam. Manchmal geht es weniger leicht als sonst. Eigentlich hatte ich vor, an den Chroniken von Ravan weiterzuschreiben, doch eine Nachbarin ist ein Stück mit mir gefahren. Glücklicherweise musste sie den Zug nach zwei Stationen verlassen. Sie ist einer dieser Künstlerinnen, die sich im System ein Versteck gefunden haben. Dort wo es Geld aus Kassen gibt, wenn man so-und-so-viel Stunden abgestempelt hat und eine gewisse Anzahl von Unterrichtsstunden an irgendwelchen grauen Schulen gibt. Allein der Gedanke daran bereitet mir Magengeschwüre.

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Mit anderen Worten, diese Art von Überleben kam für mich nie in Frage. Was hat das nun mit diesen Fotos von den „The welcoming Hands“ zu tun? Nichts weiter eigentlich, nur dass ich die gerade in meiner Datei für die Ravanchroniken finde und sie mir eine gute Möglichkeit geben, mich an den vergangenen Sommertag zu erinnern und meine ärgerlichen Gedanken abzulenken. (Weit ab von alle friedlichen Gedanken aus meinen Yogaübungen oder meinen meditativen Läufen um Wald kommt mein Kopf nur schwer zu Ruhe. Die Nachbarin ist gegangen, die Frau, die jetzt an ihrem Platz sitzt und mit wichtigtuerischer Miene im Coran liest und dabei krümeligen Kuchen ist, regt mich auf. Jeder hält sich für was Besseres als er in Wirklichkeit ist und sagt in aller Öffentlichkeit, dass er schüchtern ist. So gehört sich das. Wenn wir doch wenigstens den Mut hätten, mit einem breiten Lächeln einfach zu unserer Unfähigkeit zu stehen, andere zu akzeptieren und sagen würde: ihr könnt mich alle mal gerne haben, ich mach es am besten und ihr anderen seid unfähiges, nerviges, blödes Volk. So sieht es doch in Wirklichkeit in den Köpfen der Menschen aus. Wozu noch lügen? Glücklicherweise halten uns Gesetze, manchmal Erziehung und friedfertige Ideen davon ab, uns gegenseitig ständig die Köpfe einzuschlagen.

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Hände, die etwas vollbringen, oder einfach nur da sind, geöffnet zum Himmel oder für andere Hände. Hände ohne Körper, ebenso unschuldig wie Tiere.

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Ohne unsere Erinnerung sind die Taten von jeder Hand völlig bedeutungslos.

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Spaziergang im Garten von Jean Cocteau

 

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Ich bin kein Spezialist von Cocteau, aber dieser Mensch berührt mich sich. Jedenfalls das Wenige, was ich von ihm kenne. Die Filme sind die eine Sache, doch ich erinnere mich gerne an die Momente im Ende des Sommers in seinem Garten. Ein Garten groß genug, um einen kleinen Wald zu beinhalten. Ein Garten, in dem man sich vergessen kann, in dem die Natur ihren absoluten Platz hat.

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Die reifen Früchte werden zu Konfitüren oder Säften verwandelt, die Besucher sind gebeten, sie nicht zu pflücken (was oft nicht berücksichtig wird).

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Ein Garten, in dem ich mich fragen kann, warum Kunst und warum das, was wir tun sein kann. Oder einfach nur leben und sich von den Eingebungen treiben zu lassen. Umgeben von Bäumen und saftigen Grass und mächtigen Pflanzen spielt es keine Rolle, was gerade getan wird, Hauptsache, es wird etwas getan. Vielleicht ist das der Unterschied schlechthin zwischen Künstlern und jenen, die damit nichts zu tun haben wollen und nur verstehen und analysieren wollen (oder noch nicht einmal das).

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Hier trafen sich Künstler und Begeisterte, Liebende und Menschen, die beachtet werden wollten. In dieser Natur, in der nichts und niemand bewertet wird, sich jeder aber finden und bemerkt werden kann.

Allein beim Schauen und Sehen findet man zurück zum Sein. Erstaunlich, wie rasch so etwas möglich ist.

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Viele meiner Geschichten sind sozusagen im Wald geboren. Bei einer Wanderung, einem Spaziergang oder einem Dauerlauf. Einfach da sein und dem Herzschlag der Erde hören. Erstaunlicherweise ist es selten ruhig im Wald, wenn man genau hinhört, ist immer etwas los.

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Es amüsiert mich, wie verständnislos und unwissend manche Menschen sind, manchmal kann diese Tatsache regelrecht nerven. Daher gehe ich lieber alleine und schreibe meine Geschichten, sobald sich eine Möglichkeit ergibt.

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La Maison de Jean Cocteau