Trügerischer Herbstwald

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Es könnte sein, dass mein abenteuerlicher Dauerlauf heute im Wald zum vorherrschenden Chaos in meinem neuen dritten Kapitel beigetragen hat. Wenn ich mich stundenlang im Wald aufhalte und mir in den Kopf setze, mich durch ausdauerndes Laufen zu stärken, ist mir in den Jahren bewusst geworden, wie gefährlich der Wald sein kann. Eine winzige Wurzel, ein kleines von toten Blättern verstecktes Loch oder ein einfacher Stein können einen zum Fall bringen, den Fuß verletzten oder den Knöchel verstauchen.

So gesehen mag ich es mir gar nicht ausmalen, wie es in Wirklichkeit ist, wenn man im Dunkeln durch die Wildnis irrt …

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Louise Bourgeois « The welcoming hands »

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Diese schönen Fotos von den Händen von der Künstlerin Louise Bourgeois kommen mir gerade richtig. Ich hatte sie während einem Spaziergang in einer Mittagspause im Jardin des Tuileries fotografiert. An einem sehr heißen Tag im September, ein Tag, in dem der Sommer noch nicht lange nicht gehen will und trotzig seine Regeln aufrechterhält.

Heute hingegen ist ein feuchter Novembermorgen, ich arrangiere mich wie nur irgend möglich im Zug auf den Weg nach Panam. Manchmal geht es weniger leicht als sonst. Eigentlich hatte ich vor, an den Chroniken von Ravan weiterzuschreiben, doch eine Nachbarin ist ein Stück mit mir gefahren. Glücklicherweise musste sie den Zug nach zwei Stationen verlassen. Sie ist einer dieser Künstlerinnen, die sich im System ein Versteck gefunden haben. Dort wo es Geld aus Kassen gibt, wenn man so-und-so-viel Stunden abgestempelt hat und eine gewisse Anzahl von Unterrichtsstunden an irgendwelchen grauen Schulen gibt. Allein der Gedanke daran bereitet mir Magengeschwüre.

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Mit anderen Worten, diese Art von Überleben kam für mich nie in Frage. Was hat das nun mit diesen Fotos von den „The welcoming Hands“ zu tun? Nichts weiter eigentlich, nur dass ich die gerade in meiner Datei für die Ravanchroniken finde und sie mir eine gute Möglichkeit geben, mich an den vergangenen Sommertag zu erinnern und meine ärgerlichen Gedanken abzulenken. (Weit ab von alle friedlichen Gedanken aus meinen Yogaübungen oder meinen meditativen Läufen um Wald kommt mein Kopf nur schwer zu Ruhe. Die Nachbarin ist gegangen, die Frau, die jetzt an ihrem Platz sitzt und mit wichtigtuerischer Miene im Coran liest und dabei krümeligen Kuchen ist, regt mich auf. Jeder hält sich für was Besseres als er in Wirklichkeit ist und sagt in aller Öffentlichkeit, dass er schüchtern ist. So gehört sich das. Wenn wir doch wenigstens den Mut hätten, mit einem breiten Lächeln einfach zu unserer Unfähigkeit zu stehen, andere zu akzeptieren und sagen würde: ihr könnt mich alle mal gerne haben, ich mach es am besten und ihr anderen seid unfähiges, nerviges, blödes Volk. So sieht es doch in Wirklichkeit in den Köpfen der Menschen aus. Wozu noch lügen? Glücklicherweise halten uns Gesetze, manchmal Erziehung und friedfertige Ideen davon ab, uns gegenseitig ständig die Köpfe einzuschlagen.

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Hände, die etwas vollbringen, oder einfach nur da sind, geöffnet zum Himmel oder für andere Hände. Hände ohne Körper, ebenso unschuldig wie Tiere.

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Ohne unsere Erinnerung sind die Taten von jeder Hand völlig bedeutungslos.

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Spaziergang im Garten von Jean Cocteau

 

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Ich bin kein Spezialist von Cocteau, aber dieser Mensch berührt mich sich. Jedenfalls das Wenige, was ich von ihm kenne. Die Filme sind die eine Sache, doch ich erinnere mich gerne an die Momente im Ende des Sommers in seinem Garten. Ein Garten groß genug, um einen kleinen Wald zu beinhalten. Ein Garten, in dem man sich vergessen kann, in dem die Natur ihren absoluten Platz hat.

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Die reifen Früchte werden zu Konfitüren oder Säften verwandelt, die Besucher sind gebeten, sie nicht zu pflücken (was oft nicht berücksichtig wird).

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Ein Garten, in dem ich mich fragen kann, warum Kunst und warum das, was wir tun sein kann. Oder einfach nur leben und sich von den Eingebungen treiben zu lassen. Umgeben von Bäumen und saftigen Grass und mächtigen Pflanzen spielt es keine Rolle, was gerade getan wird, Hauptsache, es wird etwas getan. Vielleicht ist das der Unterschied schlechthin zwischen Künstlern und jenen, die damit nichts zu tun haben wollen und nur verstehen und analysieren wollen (oder noch nicht einmal das).

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Hier trafen sich Künstler und Begeisterte, Liebende und Menschen, die beachtet werden wollten. In dieser Natur, in der nichts und niemand bewertet wird, sich jeder aber finden und bemerkt werden kann.

Allein beim Schauen und Sehen findet man zurück zum Sein. Erstaunlich, wie rasch so etwas möglich ist.

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Viele meiner Geschichten sind sozusagen im Wald geboren. Bei einer Wanderung, einem Spaziergang oder einem Dauerlauf. Einfach da sein und dem Herzschlag der Erde hören. Erstaunlicherweise ist es selten ruhig im Wald, wenn man genau hinhört, ist immer etwas los.

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Es amüsiert mich, wie verständnislos und unwissend manche Menschen sind, manchmal kann diese Tatsache regelrecht nerven. Daher gehe ich lieber alleine und schreibe meine Geschichten, sobald sich eine Möglichkeit ergibt.

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La Maison de Jean Cocteau