« Die Seiten der Welt » von Kai Meyer

Die Seiten der Welt - Kai Meyer

Hallo liebe Leser ! Heute habe ich mich dazu entschieden, ein paar Zeilen über ein von mir gelesenes Buch zu schreiben und hier zu teilen. Ich lese sehr viel französische Texte und Bücher, es ist eher selten, dass ich mich einem deutschen Buch zuwende. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel.
Meine persönliche Geschichte mit dem Buch „Die Seiten der Welt“ von Kai Meyer ist etwas anders als einfach nur ein Kauf im Buchladen oder im Internet.

Zunächst ein paar Worte zum Inhalt des Buches:

Ein fünfzehn Jahre junges Mädchen lebt mit ihrem Vater und ihrem jüngeren Bruder abgeschieden von der normalen Welt in einem Reich der Bücher. Sie lernt über die Magie der Bücher und sehnt sich danach, sobald wie möglich, zu ihrem Seelenbuch zu finden, um selbst unglaubliche Abenteuer und Recherchen wie ihr mächtiger Vater zu erleben. Dabei wird ihr bald bewusst, dass sie sich in einem unglaublichen Abenteuer verstrickt befindet. Ein Abenteuer, in dem sich die Grenzen der Wirklichkeit, der Vergangenheit und Zukunft verschieben, sie mit unglaublichen Wesen Kontakt aufnimmt und bald nicht nur um ihre eigenes Überleben kämpfen muss, sondern die Existenz einer gesamten Welt von ihren Entscheidungen abhängt.

Kai Meyer nimmt uns in ein unglaubliches Abenteuer mit, in dem jedes Detail letzten Endes seine Bedeutung hat und was ich persönlich besonders interessant fand, ist seine Fähigkeit, Handlungsstränge interessant miteinander zu verflechten. Alle Geheimnisse finden ihre Erklärung früher oder später im Verlauf dieses fantastischen Abenteuers.

Ich habe mir dieses Buch vor etwa drei Jahren auf der Leipziger Buchmesse gekauft. Ein sehr intensiver Moment. Ich hatte mir damals ein Ziel gesetzt und zwar, vor meinem vierzigsten Geburtstag als Schriftsteller auf eine große Büchermesse eingeladen zu werden. Die vier Tage, die ich dort verbracht habe, waren voll von Erfahrungen, die ich um nichts missen möchte. Ich hatte die Möglichkeit, Leute zu treffen, die ich sonst durch Verbindungen im Internet kannte. Ein paar meiner Geschichten und sogar zwei kurze Romane waren von kleinen Verlegern veröffentlicht worden und ich hatte ein paar Tage frei gemacht, weil mein damaliger Verleger mich auf die Messe einlud. Ich befand mich auf einem Stand zwischen all den anderen Kleinverlegern, viele kannten einander, es wurden Mails und Visitenkarten getauscht und ich war von den Menschenmengen beeindruckt, die sich durch die Gänge schoben, um sich die Bücher anzuschauen, zu kaufen. Solche Messen sind wirklich ein Ereignis.
Kai Meyer war für mich zu diesem Zeitpunkt kein Begriff, aber ich fand das gepflegte Outfit des Buches sehr interessant und dachte mir, warum nicht ein neues Leseabenteuer versuchen. Ich beobachtete, wie die neuen, aber bereits anerkannten Autoren miteinander diskutierten. Für sie gab es ein abgegrenztes Café und ich musste mich daran erinnern, dass in Deutschland nicht dieselben Regeln gelten wie in Frankreich. In Deutschland bringt es absolut nichts, charmant und nett zu sein, um irgendwo eingeladen zu werden. Jede und jeder soll gefälligst seinen Platz bezahlen. Ich erinnere mich …
Immerhin hat der gute Kai mir das gekaufte Buch signiert – ich hatte es doch gekauft und das Signieren gehört für einen Autor zum Mindestprogramm des guten Tons. Diese Tätigkeit soll sogar sehr anstrengend sein, wenn die Leser stundenlang Schlange stehen und ein Buch nach dem anderen unterschrieben wird, mit einer persönlichen Note und obendrein einem Foto zur Erinnerung …
(Wie gesagt, in Frankreich, besonders in Paris habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass es für mich einfach ist, mit einem gepflegten Make-up und einem gewinnenden Lächeln nahezu überall reinzukommen. Doch in meinem Heimatland ist das anders. Wenn man auf die Frage „Wer sind sie?“ nicht klipp und klar antworten kann, dass man jemand ist, der eine gewisse Bedeutung hat, wird man nicht reingelassen – Punkt.)
Aber im Grunde ändert das nicht viel.
Ich habe nach all dieser Zeit endlich Momente gefunden, dieses Buch zu lesen. Ich wollte diesen Band nicht beschädigen, denn ich lese nun mal viel in der Metro und im Zug auf meinen täglichen Pendelfahrten zur Arbeit. In der Tat haben sich allerhand Buchstaben vom schönen Umschlag im Laufe der Zeit abgerieben, was nicht geschehen wäre, wenn ich das Buch ausschließlich zu Hause gemütlich mit Tee gelesen hätte. Doch solche Momente sind zu selten. Wenn ich nur unter idealen Umständen lesen oder schreiben würde, käme dabei nicht viel heraus.
Merkwürdigerweise war es schwieriger als erwartet, dieses Buch zu lesen. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich sehr viel auf Französisch lese. Aber ich habe es geschafft. Die Sprache in diesem Werk ist sehr bildlich und kommt mir so perfekt vor, wie jemand, der das gewissenhaft studiert hat. Genau diese Verbindungen, die mir absolut fehlen. Die Kunst, Handlungsstränge auszuarbeiten und ineinander zu verflechten, finde ich ausgesprochen gelungen. Und vor allem war ich froh darüber, dass ich noch immer in der Lage bin, dieses Lesegefühl zu erlangen, wie damals als ich als Kind meine Bücher aus der Stadtbücherei holte und mich regelrecht in meinen Lesestoff vertiefte.

Nun gut, ich habe überhaupt keine Beziehungen zu irgendwelchen Menschen, die sich für neue Geschichten interessieren oder in dieser für mich völlig undurchsichtigen Welt der Verlage, Hochschulen, Universitäten, Künstlern undsoweiter Verbindungen haben. Ehrlich gesagt habe ich versucht, mich dafür zu interessieren, daran teilzuhaben, zu kommunizieren, um zu lernen und bemerkt zu werden. Nach einigen Jahren ist mir aufgefallen, wieviel Zeit für das Networking drauf geht und mir persönlich gar nichts bringt. Was kann ich als unbekannte Schreiberin anderen schon bringen? Also habe ich das alles fallengelassen und entschieden, mich ausschließlich auf meine Geschichten und mein Leben zu konzentrieren. Ich bin mein eigener Sponsor und ein Vollzeitjob ist zeitraubend. Den brauche ich aber, um meine Familie und mich zu unterhalten. Den Rest der Zeit teile ich mir so ein, dass es mir hauptsächlich was bringt. Und Schritt für Schritt habe ich sie wiedergefunden, die Magie des Lesens und des Schreibens, das Gefühl, in fantastische Welten abzutauchen, die uns der menschlichen Essenz näherbringen. Denn diese Geschichten arbeiten unsere Erfahrungen, Sehnsüchte und Urängste aus. In diesen Geschichten kann man zurück zum Mut finden, den ein Mensch braucht, um in seiner Welt zu überleben. Diese Geschichten sind ein Aufbegehren gegen die Tatsache, einfach nur einem System zu dienen, in das man reingeboren wurde, in dem man nur eine Nummer ist, die etwas einbringen muss, um rentabel zu sein. Unsere Vielzahl scheint nur in Form von Verträgen existieren zu können. Doch unsere Vorfahren lebten anders auf dieser Welt und ich finde es wichtig, sich daran zu erinnern, um sich selbst besser zu verstehen. Viele von uns haben das Gefühl, nicht in das System zu passen und erdulden es schwer mit Stress und gesellschaftlichen Druck, doch im Grunde ist das System einfach nur unmenschlich. Allerdings ist es sinnlos, unser momentanes Zusammenleben verteufeln zu wollen. Wer hat schon wirklich Lust darauf, in absoluter Ungewissheit zu leben, kalten Wintern ausgesetzt zu sein, seine Kinder sterben zu sehen, selbst tödlichen Gefahren ausgesetzt zu sein? Ein System, dass uns ein Überleben in einem relativen Komfort ermöglicht, den Preis, den wir dafür bezahlen müssen, kennen wir – Unfreiheit.

Nun denn, soweit der Stand der Dinge. Ich finde das Buch „Die Seiten der Welt“ sehr gut und schön. Soll es zwischen meinen anderen Büchern im Regal darauf warten, wenn ich mal ein weiteres Werk von Kai Meyer lese. In der Zwischenzeit werde ich weiter in meine Chroniken aus Ravan abtauchen.

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